Italienische Militärfriedhof Frankfurt-Westhausen

4.788 Grabsteine liegen in immer gleichem Abstand einer neben dem anderen auf der weitläufigen Rasenfläche des städtischen Friedhofs Frankfurt-Westhausen. 4.788 Namen, eingraviert in Bronzetafeln, erinnern an die italienischen Opfer, die während des Zweiten Weltkriegs auf deutschem Boden umgekommen sind.

Es handelt sich größtenteils um sogenannte „Militärinternierte“, wie Hitler die italienischen Offiziere und sonstigen Militärangehörigen der Streitkräfte des Königreichs Italien nannte: einfache Soldaten, Matrosen, Kampfflieger, Feldwebel, Hauptleute, Marschälle, Carabinieri und Steuerfahnder. Sie wurden nach dem Waffenstillstand vom 8. September 1943, den das Königreich Italien unter Marschall Badoglio mit den Alliierten geschlossen hatte, von der Wehrmacht als Verräter gefangengenommen. Denn sie hatten sich geweigert, entweder der Wehrmacht oder der faschistischen Armee der norditalienischen Sozialrepublik (Repubblica Sociale Italiano) beizutreten. Wegen dieser Weigerung wurden sie ins Deutsche Reich verschleppt und in unzählige Gefangenenlager gesperrt, meist unter unmenschlichen Bedingungen. Dieses NEIN, das die italienischen Militärinternierten gegenüber dem Nazifaschismus wiederholt zum Ausdruck brachten, war eine Tat des unbewaffneten Widerstands, die viele von ihnen mit dem Leben bezahlten.

Neben den italienischen Militärangehörigen sind auf dem Friedhof Westhausen auch eine Reihe von Zivilisten begraben, Männer und Frauen, die nach 1943 als Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen in deutschen Fabriken oder auf dem Land ausgebeutet wurden. Unter ihnen befinden sich auch einige Kinder und Jugendliche, die sich wahrscheinlich infolge ihrer schon in den 1930er Jahren als Arbeitsimmigranten in den NS-Staat eingewanderten Eltern auf deutschem Boden befanden und bei Bombenangriffen oder durch Krankheit ums Leben kamen.

Schließlich haben auf dem Friedhof Frankfurt Westhausen auch einige wenige Italiener ihre letzte Ruhestätte gefunden, die aus politischen Gründen deportiert wurden. Es handelt sich bei ihnen um Häftlinge mit dem roten Dreieck, die in den Konzentrationslagern Flossenbürg und Natzweiler ermordet wurden: antifaschistische Aktivisten, Gewerkschafter, Partisanen und ihre Unterstützer. Unter ihnen sind auch einige Soldaten, die man wegen Fahnenflucht und Wehrkraftzersetzung angeklagt hatte.

Über zehn dieser unterschiedlichen Schicksale informiert die Frankfurt History App. Sie führt auf einem Rundgang über den Friedhof Schritt für Schritt in die individuellen Lebens- und Leidensgeschichten von Verfolgung und Widerstand ein, die die hier begrabenen Menschen – bei allen Unterschieden – miteinander verbindet. Der digitale Rundgang ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen dem Historischen Museum Frankfurt und dem Ortsverband ANPI (Associazione Nazionale Partigiani Italiani), dessen Mitglieder sich seit Jahren für die historische Aufarbeitung der Einzelschicksale engagieren.

4.788 vom Faschismus und Nationalsozialismus zerstörte Menschenleben. Ihre auf dem Friedhof Frankfurt-Westhausen nebeneinander aufgereihten Begräbnisstätten können uns daran erinnern, dass die Demokratien in Italien und Deutschland als Antwort auf die Gräueltaten von Diktaturen entstanden sind. Der Opfer dieser Diktaturen zu gedenken, ist ein Akt des zivilgesellschaftlichen Engagements, den wir als ANPI mit Stolz bewahren und weitertragen, um die demokratische Ordnung zu schützen und die antifaschistischen Werte von Freiheit, Frieden und Solidarität zu verteidigen.

Der Friedhof Frankfurt Westhausen, auf dem 4.788 italienische Opfer des Zweiten Weltkriegs begraben sind, ist ein Ort der Erinnerung. Er bietet die Möglichkeit, sich anhand von individuellen Lebensgeschichten mit der Geschichte des Nationalsozialismus und des italienischen Faschismus auseinanderzusetzen und Erlebnisse von Gewalt und Widerstand in beiden Ländern unmittelbar erfahrbar zu machen. Der beeindruckende Ort mit seinen weitläufigen räumlichen Dimensionen und den unzähligen Gräberreihen wirft viele Fragen auf und ermöglicht den Nutzern und Nutzerinnen daher ein einzigartiges Bildungserlebnis.

Einweihung des italienischen Ehrenfriedhofs, Frankfurt 1959. Foto: unbekannt, Italienisches Verteidigungsministerium
Italiano

I commenti sono chiusi.